Nonprofit-News November 2018

Nonprofit-News November 2018

Public Affairs Management für NPOs

Warum Public Affairs Management?

PD Dr. Rudolf Speth, Lehre an der FU Berlin und Dozent im Studiengang Nonprofit-Management & Governance in Münster

Junge Organisationen wie campact, change.org und Avaaz eröffnen Protestmöglichkeiten: gegen die weitere Lizensierung von Glyphosat; gegen das Handelsabkommen TTIP; eine Petition, um das Bienensterben zu beenden; für eine junge Frau im Sudan, die ihren Ehemann umgebracht hat, weil er sie vergewaltigte. Mit diesen mächtigen und spezialisierten Organisationen werden Kampagnen und Petitionen im großen Stil in Politik und Gesellschaft inszeniert. Dies geschieht in der Regel ohne große Unternehmen. Die neuen Plattformen sammeln die Stimmen der Vielen.

Auch kleinere Nonprofit-Organisationen müssen sich mit ihren Anliegen in der Gesellschaft, in ihrer Stadt, ihrer Region und ‒ je nach Adressat ‒ auf der großen politischen Bühne bemerkbar machen. Sie müssen nicht immer gleich Lobbying betreiben, doch gegenüber unterschiedlichen Adressaten ihre Anliegen und Ziele formulieren. Kurz: sie müssen wahrnehmbar sein. Und diese Wahrnehmbarkeit kommt nicht von selbst, sondern muss organisiert werden, möglichst entlang der eigenen Interessen. Es geht nicht immer nur um Protest. Vielfach sollen nur die eigenen Ziele verdeutlicht und neue Unterstützer*innen gewonnen werden.

Für die Präsenz auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene bietet sich der Begriff Public Affairs-Management an, weil er beides umfasst: Lobbying, das notwendig wird, wenn es um die gezielte Beeinflussung politischer Entscheidungen – auf welcher Ebene auch immer – geht und Kampagnen, wenn die Anliegen der Organisation in der breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht und Unterstützer gewonnen werden sollen.

Wann aber ist was notwendig und wie macht man dies dann? Und vor allem: welche Fallstricke gibt es? Dies sind Fragen, mit denen sich alle beschäftigen müssen, die in Nonprofit-Organisationen Entscheidungen treffen. Und es geht auch nicht einfach, die Techniken der Großen und der professionellen Organisationen anzuwenden, denn viele Nonprofit-Organisationen sind klein, können sich keinen Lobbyisten leisten und wollen vielleicht gar nichts mit dem Begriff zu tun haben, weil er immer noch etwas anrüchiges hat.

Eine erste wichtige Erkenntnis besteht darin, die eigenen Interessen zu erkennen und zu sehen, dass Interessen im politischen Betrieb – in den Kommunen, bei anderen Organisationen (Kammern, Verbände, Initiativen), auf den verschiedenen Ebenen ‒ eine wichtige Funktion haben. Die eigenen Interessen muss man identifizieren und artikulieren. Man kann über sie verhandeln und berechtigterweise den Anspruch erheben, dass sie berücksichtigt werden. Interessen müssen nicht immer von Lobbyisten vertreten werden und häufig werden andere Bezeichnungen, wie Advocacy, dafür benutzt. Es gibt einen großen Unterschied zwischen privaten Interessen – meist werden diese von Unternehmen und kleinen Gruppen vertreten ‒ und öffentlichen Interessen (public interests), die vielfach von Nonprofit-Organisationen vorgebracht werden. Denn diese müssen sich in der Öffentlichkeit rechtfertigen und darstellen können. D. h. Nonprofit-Organisationen müssen immer auch zeigen können, dass sie umfassende Anliegen haben und nicht das Interesse einer kleinen oder gar privaten Gruppe im Blick haben.

Das Beispiel Unicef 1 zeigt: viele Organisationen sind sehr vom Vertrauen der Gesellschaft, z. B. der Spenderinnen und Spender abhängig. Dieses Vertrauen muss gerade auch bei der Interessenvertretung erhalten werden. Daher sind Regeln einzuhalten, vor allem in der alltäglichen Kommunikation. Nicht alles, was For Profit-Organisationen erlaubt ist, gilt auch für Nonprofit-Organisationen.

Campact macht es vor, wie moderne Kommunikationsformen und die Möglichkeiten von Social Media-Formaten genutzt werden können. Dies gilt auch für das moderne Campaigning. Doch auch hier müssen sich Nonprofit-Organisationen von den teuren Hochglanzformaten der Werbeindustrie unterscheiden können. Dass dies gelingen kann, zeigen die Kampagnen von Brot für die Welt (Würde-Kampagne) und des Verbandes der entwicklungspolitischen Organisationen (VENRO) mit „Deine Stimme gegen Armut“.

Viele Nonprofit-Organisationen sind darauf angewiesen, dass die eigenen Mitglieder oder die Unterstützer ihre Anliegen aufgreifen und weitertragen. Grassroots-Campaigning ist eine unerlässliche Form, die eigene Basis mit den Anliegen der Organisation zu verbinden.

Wenn beides – Lobbying und Campaigning ‒ gezielt und sinnvoll abgestimmt miteinander verbunden wird, dann sind Nonprofit-Organisationen auf einem guten Weg, die eigenen Anliegen in der Gesellschaft und gegenüber der Politik wirksam zu artikulieren.

1 Unicef wurde 2007/2008 skandalisiert, weil die Organisation allzu lax mit den gesammelten Spendengeldern umgegangen ist. Es gab hohe Beraterverträge, Intransparenz in der Geschäftsführung und Provisionen für Spendensammler.

Infobox Public Affairs Management

Hefte: „Aus Politik und Zeitgeschichte“

http://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/211462/lobbyismus

http://www.bpb.de/apuz/32762/lobbying-und-politikberatung

Der Film „Democracy“ zeigt die Entstehung der Datenschutzgrundverordnung. Gegenstand sind die unterschiedlichen – auch ökonomischen – Interessen und die Prozesse auf der Ebene der Europäischen Union.

http://www.bpb.de/gesellschaft/digitales/democracy/254255/der-film

Literatur Public Affairs Management

Rudolf Speth, Annette Zimmer (Hg.) 2015: Lobby Work. Interessenvertretung als Politikgestaltung, Wiesbaden, Springer VS.

Annette Zimmer, Thorsten Hallmann (Hg.) 2016: Nonprofit-Organisationen vor neuen Herausforderungen, Wiesbaden, Springer VS.

Thomas Leif, Rudolf Speth (Hg.) 2006: Die fünfte Gewalt. Lobbyismus in Deutschland. Wiesbaden, Springer VS.

Andreas Schieder 2017: Kommerzielles Lobbying und Public Affairs Management, Wiesbaden, Springer VS.

Rinus van Schendelen 2012: New trends of public affairs management at the EU level, in: Journal of Public Affairs, Vol. 12, No. 1, pp 39-46.

Fragen an...

Thomas Fehr (Projektleiter, Sozialteam Regensburg)

Sie haben den Weiterbildungsstudiengang Nonprofit-Management erfolgreich absolviert. Was haben Sie für Ihre Arbeit mitgenommen?

Das Studium hat die ideelle Motivation für meine Tätigkeit in einer Nonprofit-Organisation nochmals deutlich gestärkt. Die Vermittlung der Studieninhalte war aus meiner Sicht sehr praxisorientiert und ich konnte vieles direkt in meiner Organisation umsetzen.

In Ihrer Masterarbeit haben Sie die Erweiterung des Angebots Ihres Sozialunternehmens analysiert. Was waren die Erfolgsfaktoren?

Entscheidend war die gründliche Analyse der Stakeholder, die für das Erweiterungsziel von Bedeutung waren. In der Folge konnten für jeden relevanten Stakeholder fein abgestimmte Maßnahmen des Public Affairs Management entworfen und umgesetzt werden.

Warum sollte jede Organisation eine Public Affairs-Strategie haben?

Ohne Public Affairs-Strategie gleicht die Tätigkeit einer Organisation einem Blindflug. Jede Organisation muss ihr Umfeld und die für ihre Tätigkeit und Ziele entscheidenden Akteure genau kennen und wissen, welchen Einfluss diese auf ihre Zielerreichung haben können.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Wird Interessenvertretung notwendiger?

Aus meiner Sicht ja. Die Anzahl mächtiger Einzelinteressen nimmt zu. Umso wichtiger ist es, die Interessen einer Non Profit Organisation professionell und effizient zu vertreten.

Die Fragen stellte PD Dr. Rudolf Speth an Thomas Fehr MNA.

Weiterbildungs­seminar Public Affairs Management in Berlin

25.-27. Januar 2019 (Teil 1) und 09.-10. März 2019 (Teil 2)

Der Kontakt zur Öffentlichkeit, zu Politik und Medien ist das A&O für den Erfolg gemeinnütziger Organisationen und daher oftmals "Chefsache". Ob Interessenvertretung, Methoden und Instrumente des Lobbying sowie dessen ethische Implikationen: erarbeiten Sie praxisnah Strategien für die Außenwirkung Ihrer Organisation.

Das Seminar ist konzipiert als Mischung aus theoretischer Fundierung von Public Affairs Management und Lobbying und praxisbezogenen Lernens anhand von Fallstudien, Austausch mit Experten und Beispielen aus dem Alltag.

Weitere  Infos finden Sie hier in unserem Seminarangebot.

Weitere News aus dem Masterstudiengang Nonprofit-Management and Governance

Berufsbegleitender Master Nonprofit-Management and Governance

Nächster Studienstart 01. April 2019

Der gemeinnützige Sektor bietet viele Karrierechancen: in der Geschäftsführung einer Stiftung, in der Einrichtungsleitung im Sozial- oder Kulturbereich, als Mitarbeiter/in einer politischen Initiative oder im Management einer internationalen Organisation.

Doch neben hohem persönlichen Engagement und Organisationstalent, setzt die Arbeit in einer Nonprofit-Organisation auch fachliches Know-how und Managementkompetenz voraus.

Um sich diese Kompetenzen neben dem hauptberuflichen und/oder ehrenamtlichen Engagement aneignen zu können, hat die Universität Münster bereits 2006 den berufsbegleitenden Masterstudiengang "Nonprofit-Management and Governance" gegründet.

Neben politischen, rechtlichen und ökonomischen Grundlagen werden im Studiengang auch Managementtechniken für Personal-, Freiwilligen- und Öffentlichkeitsarbeit gelehrt. Dieser ist somit optimal auf den Berufsalltag von (zukünftigen) Führungskräften abgestimmt.

Der nächste Bewerbungsschluss für den berufsbegleitenden Masterstudiengang ist der 15. Februar 2019 (für den Studienbeginn zum Sommersemester 2019).

Weitere Infos erhalten Sie auf unserer Internetseite zum Studiengang

Nonprofit-Management & Governance.

Studienstipendien für engagierte Frauen

Der gestiegene Wettbewerb zwingt die Organisationen des Nonprofit-Sektors zu immer mehr Professionalität. Durch ausschließlich ehrenamtliches Engagement ist der hohe Grad an Professionalisierung aber kaum zu erreichen. Auch deshalb ist der gemeinnützige Sektor ein immer größer werdender Arbeitsmarkt. Wenngleich der Nonprofit-Bereich mit 78 Prozent weiblichen Beschäftigten ein typischer "Frauenbereich" ist, sind Frauen auch hier in den Führungs- und Vorstandspositionen genau wie in der Wirtschaft deutlich unterrepräsentiert.

Seit sechs Jahren fördert die Bank ING-DiBa AG mit jährlichen Teilstipendien Studentinnen im Studiengang Nonprofit-Management and Governance. Die Stipendien sind speziell für Frauen mit einem großen gesellschaftlichen Engagement, Wiedereinsteigerinnen in den Beruf und/oder Alleinerziehende ausgeschrieben. So soll durch die Teilstipendien, und somit den Studienabschluss im Nonprofit-Management, eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen des Dritten Sektors gefördert werden.

Insgesamt hat die ING-DiBa AG bisher 24 Studentinnen mit einem Teilstipendium unterstützt.

Fragen an: Anette Schwitzke – Stipendiatin

Infos zur Person: Anette Schwitzke lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat Konfliktlösung und Friedensforschung in Großbritannien studiert und ist seit dem Wintersemester 2016/17 Studierende im Nonprofit-Management and Governance. Neben umfassendem Engagement in nationalen wie internationalen Organisationen, ist Frau Schwitzke Gastdozentin der Führungsakademie der Bundeswehr.

Was bedeutet für Sie ein Studium neben Beruf und Familie?

Ich hatte den Wunsch, mich nochmal intensiver, aber gleichzeitig praxisnah mit Themen auseinander zu setzen. Der Wunsch hat sich erfüllt. Ich genieße auch den Austausch mit den anderen Studierenden und freue mich jedes Mal wieder in Münster zu sein. Das Studium an der WWU ist nicht mit meinem Erststudium vergleichbar. Wir werden liebevoll umsorgt und bekommen den Lesestoff in gut bearbeitbaren Häppchen serviert. Trotzdem ist das natürlich eine organisatorische Herausforderung als Alleinerziehende, zumal meine Familie mich da leider nicht unterstützt. Aber ich mag Herausforderungen.

Was möchten Sie mit dem Studiengang erreichen?

Ich war fast mein ganzes Berufsleben im Nonprofit Bereich tätig. Neben den positiven Aspekten dieses Arbeitsfeldes wie Sinnhaftigkeit der Aufgaben und Flexibilität, bietet er durch seine flachen Hierarchien leider wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Da ich im Grunde ein ambitionierter und leistungsorientierter Mensch bin, möchte ich mich durch dieses Studium für eine Leitungsposition qualifizieren. Alternativ kann ich mir eine Selbständigkeit als Trainerin und Beraterin vorstellen. Auch dabei helfen mir die Inhalte des Studiums.

Welche Idee würden Sie im Nonprofit-Sektor umsetzen, wenn Sie sehr viel Geld zur Verfügung hätten?

Ich habe tatsächlich in meinem Netzwerk gefragt, welche Herzensthemen Leute haben – die Antworten waren wie zu erwarten sehr vielfältig. Meine spontane Reaktion wäre „weltweit Mädchen und junge Frauen dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen“. Da spielt Bildung natürlich eine große Rolle, die Möglichkeit ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, aber auch Netzwerke, Vorbilder sowie gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Wie genau man das am besten erreichen kann, ist eine komplexe Frage. Ich finde den Ansatz des „effective altruism“ spannend, sich zu überlegen welche Interventionen am wirkungsvollsten sind, statt einfach nur unreflektiert dem eigenen Hilfsimpuls zu folgen und Dinge zu tun, die sich gut anfühlen, aber wenig nachhaltig sind. Ich habe eben mal Politikwissenschaften studiert und nicht Soziale Arbeit… Also um es kurz zu machen, ich würde wahrscheinlich im ersten Schritt ziemlich viel recherchieren und analysieren, versuchen von anderen Organisationen zu lernen, Unterstützer*innen und Kooperationspartner*innen suchen, etc. und dann erst loslegen.

Weiterbildungs­seminar Leadership LIVE

27.-30. November 2019 (Teil 1) und 07.-08. Februar 2020 (Teil 2)

Als Führungskraft oder Berater/in arbeiten Sie oft in konfliktträchtigen Situationen, in denen es wenig standardisierte Abläufe gibt. Sie arbeiten zudem häufig mit Kooperationspartnern, die Ihnen nicht unterstellt sind. Das erfordert Fingerspitzengefühl und intuitives Know-How. Für die Fähigkeit, Netzwerke aufzubauen oder die Schubkraft von Teams und Projektgruppen zu aktivieren, ist reflektiertes Erfahrungswissen nötig. Leadership und Mikropolitik sind gefragt.

Leadership LIVE ist so angelegt, dass der dynamische Organisationsprozess unmittelbar erfasst und bearbeitet wird.

Weitere  Infos finden Sie hier in unserem Seminarangebot.

Das Seminar ist ein separat buchbares Modul im berufsbegleitenden Masterstudiengang Nonprofit-Management and Governance an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Bei späterer Einschreibung wird dieses voll auf den Studiengang angerechnet.

Tipps und Termine

05. Dezember 2018 | Infos zum Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance| Master & More Messe | Berlin

25.-27. Januar 2019 und 09.-10. März 2019 | Weiterbildungsseminar Public Affairs Management| Berlin

26. Januar 2019 | Infos zum Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance| Master & More Messe | Münster

15. Februar 2019 | Bewerbungsschluss Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance

01. April 2019 | Studienstart Sommersemester 2019 | erste Termine hier

17. Mai 2019 | Infos zum Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance| Master & More Messe | Düsseldorf

15. August 2019 | Bewerbungsschluss Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance

13.-15. September 2019 und 16.-17. November 2019 | Weiterbildungsseminar Freiwilligenmanagement | Münster

27.-30. November 2019 und 07.-08. Februar 2020 | Weiterbildungsseminar Leadership LIVE | Hamburg und Münster